Geistvoll beginnen

„Geistvoll beginnen“ im Februar

Glaube und Zweifel gehören zusammen.
„Ja - denn wer kann schon sagen, dass er noch nie gezweifelt hat?“
„Ist das nicht menschlich, dass wir eben nicht immer 100 prozentig glauben können?“
„Ich finde es viel glaubwürdiger, wenn ein Mensch, der an Gott glaubt, auch davon redet, wann er in seinem Glauben unsicher geworden ist, gezweifelt hat.“
Einige Stimmen aus einem Gespräch, in dem sich alle ziemlich einig waren.

Aber: Gehören Glaube und Zweifel wirklich zusammen?
Jedenfalls unterschwellig haben doch viele Menschen die Erwartung: Wer richtig glaubt, der zweifelt nicht? Und diese Erwartung führt dann zu dem Gefühl: Mir fehlt wohl etwas. Denn ich kann nicht so sicher glauben. Es scheint ja möglich zu sein, ganz sicher zu glauben. Aber zu diesen Menschen gehöre ich wohl nicht zu.

Im Lukasevangelium gibt es ein kleines Zwiegespräch zwischen Petrus und Jesus, in dem Jesus sagt:
„Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen.
Ich aber habe für euch gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.
Und wenn du dereinst dich bekehrst, so stärke deine Geschwister“ (Kap. 22,31 - 32)

Wenn es um Glaube und Zweifel geht, leiten mich die drei Bilder dieses Jesuswortes.
o Leben ist durchgerüttelt werden, wie der geerntete Weizen damals kräftig durchs Sieb geschüttelt wurde, heute im Mähdrescher gedroschen wird. Spreu und Korn sollen getrennt werden: das Nützliche und das Überflüssige, das Gute und das Schlechte. Und wozu gehöre ich? Unsicherheit, erschütternde Erfahrungen, Angst, Ohnmacht – da soll mein Glaube un-zweifelhaft fest bleiben? Der Glaube, dass ich bewahrt bleibe, dass ich den richtigen Weg gefunden habe, dass alles gut ausgehen wird.
o Jesus zeigt Petrus: Ich weiß, wie es dir geht. Dein Glaube kann schwach werden, weil das Leben so voller schwerer Erfahrungen ist. Was ich aber tun kann, tue ich. Ich bete für dich, dass in all dem dein Vertrauen auf Gott nicht verloren geht.
o Und Jesus ermutigt Petrus: Du kannst auch etwas tun. Wie ich dich stärke, stärke du andere. Keiner muss mutlos bleiben, keiner soll verloren gehen.

Einander stärken ist das Entscheidende, höre ich aus diesen Worten. Offen reden über Gewissheiten und Anfechtungen. Zuhören, mitfühlen und verstehen, wenn jemandem das Leben schwer wird und das Vertrauen auf Gott schwindet. Zweifel zulassen bei sich selbst und anderen.

Vielleicht ist an dieser Stelle Zeit, sich von eigenen Erfahrungen zu erzählen.

Oder zum Bedenken:

Einer ist da, der mich denkt.
Der mich atmet, Der mich lenkt.
Der mich schafft und meine Welt.
Der mich trägt und der mich hält.
Wer ist dieser irgendwer?
Ist er ich? Bin ich Er?

Mascha Kaléko, aus: In meinen Träumen läutet der Sturm dtv 1294

Lieder: „Ich möchte, dass einer mit mir geht“ - EG 209
„Meine Hoffnung und meine Freude“ oder „ Ach bleib mit deiner Gnade“
beide aus Taizé: abgedruckt z.B. in Lieder zwischen Himmel und Erde